PinholeVideo

 

„Bilder, die scharf sind, haben die Unschärfe überwunden. Sie ignorieren die Erfahrungen, die in der Unschärfe möglich sind.“


Oliver Mösts 2007 entstandene Videoarbeiten stellen die Fortsetzung seiner fotografischen Arbeiten dar. Sie zeichnen sich

auf den ersten Blick durch eine auffallende Unschärfe aus, die sowohl in den Fotografien als auch in den Videos das leitende ästhetische Prinzip des Künstlers darstellen. Unschärfe-Techniken führen uns den Kern des Wahrnehmungsprozesses vor Augen.


Oliver Mösts eigener Wahrnehmungsprozess ist durchgehendes Thema seiner Arbeiten: Er leidet an einem „Sehfehler“, seine Brille muss links 2,5 und rechts 6,0 Dioptrien ausgleichen. Seine fotografischen und filmischen Arbeiten machen den subjektiven Blick des Fotografen in Form eines „Das–hat-er-dort-auf-diese-Weisegesehen-und-wahrgenommen“ erfahrbar und verdeutlichen darüber hinaus seine Eigenwahrnehmung sowie die Erfahrung des ihn umgebenden Raumes (between, hide & seek, brown eyes).


Ein weiteres Thema, durch das sich Mösts Videoarbeiten besonders auszeichnen, ist die Reflexion der Fotografie und ihrer medienimmanenten Eigenschaften in der filmisch- fotografischen Auseinandersetzung. Entstanden aus der Idee, zwei fotografische Techniken miteinander zu verbinden, bedient er sich zum einen einer linsenfreien Lochkamera, einer camera obscura, der Grundform aller fotografischen Kameras. Diese Technik kombiniert er mit digitaler Videotechnik indem er mit einer Videokamera das sich auf der Mattscheibe der Lochkamera abzeichnende Bild abfilmt und aufzeichnet.


Durch die Auseinandersetzung mit der „alten“ Lochkameratechnik einerseits und modernster digitaler Videotechnik andererseits entstehen „Lochvideos“ (pinhole videos), wie Möst seine Arbeiten nennt. Sie spiegeln die technische Entwicklung der Fotografie von einer einfachen Lochkamera zur digitalen, technisch ausgereiften Videokamera wider und reflektieren somit auch die grundlegenden, über die Jahre erweiterten Eigenschaften des Mediums Fotografie.  


Text von Kathrin Kohle, aus ”Mutations II, moving Stills“ Katalog 2008,
European Month of Photography